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Erfahrungsbericht: Mount Batur Sunrise Trekking Tour auf Bali

Bali, die Insel der Götter, Insel der Dämonen, Insel der tausend Tempel, Insel der Morgenröte und vor allem: Insel der Vulkane. Mittlerweile hat es uns schon zum dritten Mal auf die wohl bekannteste der indonesischen Inseln verschlagen und der vierte Besuch ist auch schon geplant. Eines waren wir der Insel bisher jedoch stets schuldig geblieben: ein Hike auf einen ihrer vielen Vulkane.

Es ist fast egal wo man sich gerade auf Bali befindet, der nächste Vulkan ist nie mehr als zwei Stunden Fahrt entfernt. Man hört und liest jedoch viele Horror-Storys. Entweder zahlt man horrende Preise von über 50 Dollar pro Person für eine geführte Tour oder man bekommt die Reifen des eigenen Fahrzeugs aufgeschlitzt und wird von Einheimischen bespuckt, wenn man eine selbstgeführte Tour unternehmen will. Man liest Erfahrungsberichte von mafiösen Strukturen, von zu Tode gestürzten Wanderern und alles, was einem sonst noch die Laune auf eine Mount Batur Sunrise Trekking Tour verdirbt.

So haben wir uns lange, ja viel zu lange um den Hike gedrückt. Und das, wie sich herausstellen sollte, völlig ohne Grund – ach hätten wir das nur vorher gewusst. Wie der Titel dieses Beitrags schon verrät, geht es in diesem Beitrag also um unsere Erfahrung zum Mount Batur Sunrise Hike, welchen wir am 04.11.2017 hinter uns gebracht haben. Eins kann ich schonmal vorweg nehmen: es lohnt sich und wir würden es jederzeit wieder machen. Doch das wichtigste zuerst

Was kostet die Mount Batur Sunrise Tour (Stand 2017/2018)

Also entweder hat sich in den letzten Jahren einiges am Preis getan oder die Berichte und Tourenabieter die wir zuvor kontaktierten wollen uns gnadenlos ausnehmen. Man verlangte 50 USD pro Person von uns, zumindest war das der veranschlagte Preis vor rund 2 Jahren. Um so erstaunter waren wir als unser aktueller Airbnb-Host, welcher auch ein Tourengeschäft führt, nur 350.000 IDR pro Person von uns haben wollte – und das ohne zu Handeln wohl bemerkt.

Im November 2017 entsprach das umgerechnet rund 22 €, insgesamt für zwei Personen also gerade mal einen Dollar mehr als die früher veranschlagten 50 pro Person. Da mussten wir natürlich direkt zuschlagen. Von anderen Mitstreitern in unserer Gruppe erfuhren wir, dass mit ein bisschen Verhandlungsgeschick sogar Preise von 300.000 IDR drin sind. Immerhin spart man sich so ein gutes Essen in einem Restaurant – sofern man denn auch gut verhandeln kann.

Wobei es hier mit Sicherheit auch darauf ankommt, wo man die Tour bucht. Wir haben sie in Ubud gebucht aber ich kann mir gut vorstellen, dass für die Anreise aus Kuta oder gar Jimbaran Extrakosten anfallen. Verlangt man von dir in Ubud mehr als 350.000 solltest du das Angebot jedoch dankend ablehnen und dir einen anderen Anbieter suchen. Wir waren mit Kadek, dessen Laden Bali Ona Tours heißt, mehr als zufrieden und können ihn uneingeschränkt weiter empfehlen. Letzten Endes spielt es aber keine Rolle, denn die Guides mit den man unterwegs ist sind Locals aus dem Gebiet um den Batur, doch dazu später mehr. Interessanter ist, was sonst noch Teil der Tour ist.

Was ist in der Mount Batur Sunrise Trekking Tour enthalten?

Neben dem offensichtlichen, dem Hike auf den Mount Batur, enthält jede Tour mal mehr oder weniger Extras. Üblicherweise ist ein Frühstück enthalten. Bei vielen Touren gibt es nach dem Trek auch noch eine Luwak-Kaffee-Kostprobe in einer der unzähligen Plantagen. Auf jeden Fall sollte geklärt werden ob man zu Hause bzw. am Hotel abgeholt wird oder ob man irgendwo hin kommen muss und ob die Abholung ggf. Extrakosten verursacht.

Die Anreise zum Mount Batur und die Vorbereitung auf den Hike

Bei unserer Tour wurden wir zu Hause aufgesammelt. Mit einem kleinen Van ging es dann kreuz und quer durch Ubud wo wir die anderen Gruppenmitglieder aufsammelten. Nachdem alle an Bord waren ging die Reise zum Mount Batur los. Mit suizidaler Geschwindigkeit bretterte unser Fahrer Made die schmalen Straßen Balis entlang und führte dabei ein waghalsiges Überholmanöver nach dem anderen aus.

Egal ob Lastwagen, Auto oder Rollerfahrer, er lies einen Konkurrenten nach dem anderen hinter sich und schlängelte sich gekonnt den sanft ansteigenden Berg hinauf. Zwischendurch gab es hier und da mal eine Vollbremsung wenn ein Überholen doch zu knapp gewesen wäre und die wellige Straße ließ das Auto hüpfen als würden wir mit einem Jeep durchs Gelände fahren.

Es war das erste Mal in meinem Leben, dass mir von einer Autofahrt schlecht geworden ist. Ich weiß nicht ob es an der wilden Fahrt lag, daran dass wir ganz hinten saßen oder ob der Auspuff ein Loch hatte und seine Dämpfe in den Innenraum entließ aber ich war heilfroh als wir an der ersten Station des Tages ankamen: dem “Vor-Frühstück” wie ich es nenne. Es gab “Bananapancakes” welche in Wahrheit jedoch lediglich ein paar gebackene Bananen waren – die, die man hier überall an den Frittier-Buden bekommt (10 bis 15 Stück für 1 €). Dazu gab es wahlweise Kaffee oder Tee.

Nach den knapp 15 Minuten Verschnaufpause ging die wilde Fahrt in die zweite Runde bis wir nach insgesamt etwas über eineinhalb Stunden im Auto endlich den Fuß des Mount Batur erreichten. Leicht benebelt und mit flauem Gefühl im Magen war ich noch nie so dankbar aus einem Auto auszusteigen wie an diesem Tag. Unsere Gruppe versammelte sich hinter dem Wagen. Nun wurde das eigentliche Frühstück verteilt.

Jeder bekam eine kleine Styroporbox mit zwei Scheiben weißem Toast, einem Döschen Marmelade, einer Mandarine und einem hartgekochten Ei. Außerdem gab es pro Person einen halben Liter Wasser. Dann hieß es warten. Nach ein paar Minuten kam Lu, unser Guide, und verteilte Taschenlampen an alle. Dann durfte noch mal jeder aufs Klo und schon ging die Wanderung los

Pro-Tipp: Da wir keine Tüten hatten um die Frühstücksboxen zu verstauen, fragten wir einfach Lu, ob sie die Boxen in der Tüte tragen könne, in der unser Fahrer die Boxen transportierte. Wenn es also nicht genügend Tüten für alle Gruppenmitglieder gibt oder ihr einfach faul seid, fragt einfach den Guide ob er das Frühstück für euch trägt. 😛

Der Mount Batur Sunrise Trek beginnt – auf zur Spitze des Mount Batur

Dann war es soweit, der Mount Batur Sunrise Hike fing an. Los gehts vom Parkplatz aus in die gegenüberliegende Schotterstraße. Auf den ersten hundert Metern ist diese noch sehr breit und gut in Schuss. Dann gabelt sich der Weg. Links führt ein schmaler Weg entlang eines Chilli-Feldes und wird sehr schnell anspruchsvoller. Rechts führt die Straße weiter den Berg hinauf. Diese ist einfacher, dauert aber auch länger. Sie führt bis zum Half-Way-Point hinauf und meist nur für den Abstieg genutzt.

Über Stock und Stein krackselt man im Schein der Taschenlampen durchs Geröll, stets darauf bedacht nicht zu stolpern. Nach gut einer halben Stunde gibt es schon die erste kurze Pause, denn die Guides brauchen eine Minute um zu beten und Gaben an die Götter des Berges zu opfern. Dann geht es weiter und eine gute Dreiviertelstunde später ist man auch schon am Half-Way-Point angelangt.

Wer es bisher schon anstrengend fand, der wird jetzt so richtig auf die Probe gestellt, denn ab dem Half-Way-Point steigert sich die Schwierigkeit des Aufstiegs um ein vielfaches. Nun heißt es Klettern und höllisch aufpassen nicht auszurutschen. Ansonsten erwartet dich ein sehr unangenehmer Sturz in die Tiefe. Das Tempo nimmt nun noch mal etwas ab und alle paar Meter muss man kurz stehen bleiben – sei es um eine kurze Pause einzulegen oder um zu warten, dass die Person vor die die schwierige Stelle herauf geklettert ist. Überholen ist nahezu unmöglich und so geht es ganz gemächlich aber dennoch schweißtreibend im Schneckentempo den Berg hinauf.

Nach einer gefühlten Ewigkeit, welche in Wahrheit jedoch nur rund eine Stunde dauert, erreicht man das obere Lager. Ich habe nicht genau verstanden was es hier gibt aber es war jedenfalls noch nicht das Ende. Wir mussten jedoch mehrfach bei Lu nachfragen und ein wenig nachdrücklich fordern auf die eigentliche Spitze zu wandern. Nach einer Minute Überzeugungsarbeit und dem einstimmigen Beschluss der Gruppe machten wir uns an den letzten Teil der Mount Batur Sunrise Tour.

Die Schwierigkeit nahm erneut zu. Sandiger Boden in Kombination mit der Steile des Aufstiegs machen die letzten Meter zu einer wahren Tortur. Ich schwitze wie ein Wasserfall und jeder Schritt war anstrengender als der vorherige. Eine halbe Stunde dauerte die letzte Sektion bis wir endlich und total erledigt die Spitze erreichten. Dort hieß es dann erst einmal durchatmen, klitschnasses T-Shirt wechseln und Pulli anziehen.

Pro-Tip: Nimm auf jeden Fall ein zweites Shirt und einen Pulli – am besten einen dicken – mit. Auf der Spitze ist es ziemlich kühl.

Gerade noch rechtzeitig erreichten wir die Spitze bevor die ersten Sonnenstrahlen über dem Agung und dem Abang zu sehen waren. Auf der gegenüberliegenden Seite konnten wir sogar noch den Vollmond hinter dem Krater untergehen sehen.

Der Sonnenaufgang auf dem Mount Batur

Mit frischen Klamotten sowie einem Ei und einem Toast im Bauch war es nun endlich soweit. Es war Zeit die Belohnung für die Strapazen des Aufstieges einzuheimsen. Am Horizont blitzen die ersten Sonnenstrahlen durch die Wolken und tauchten das schwarze, vom Mondlicht durchflutete Grau des Vulkankraters in eine dunstgetränkte morgendliche Bläue.

Dann ging alles blitzschnell. Wie eine Rakete schoss die Sonne hinter den uns gegenüberliegenden Bergen hervor und tauchte den blauen Horizont in feurige Orange- und Rottöne.

Das Spektakel dauerte jedoch nur wenige Minuten. Bevor wir es richtig realisierten war die Sonne auch schon aufgegangen und der Himmel erstrahlte in seinem reinsten Blau. Von der feuerroten Morgenröte war keine Spur mehr zu sehen. Dafür warf der Batur nun einen harten Schatten in seinen eigenen Krater. Während die Sonne im Tal den letzten Morgentau verdunsten lies wurde im Krater nun sichtbar, was mir klar werden ließ, wo wir uns eigentlich gerade befinden. An mehreren Stellen stieg Rauch aus dem Berg. Brennt da was? Ach stimmt ja, wir stehen ja gerade auf einem Vulkan – einem aktiven Vulkan. Und das was da dampft kommt von dem brodelnden Magma unter unseren Füßen im inneren des Berges.

Die Aussicht ist ist umwerfend und nun da es hell ist sieht man, was es alles zu sehen gibt. Zum Beispiel das Lava-Feld auf der Südseite des Berges, welches beim letzten Ausbruch um die Jahrtausendwende entstand. Von weitem sieht es einfach nur schwarz und tot aus. Steht man jedoch mitten drin offenbart sich, dass sich die Vegetation immer ihren Weg bahnt. Auch trifft man neben streunenden Hunden auf dem Gipfel auf Affen – Zeitgenossen die wir so gut es geht meiden seit vor zwei Jahren unsere Brillen von den Biestern geklaut, zerkaut und achtlos weggeworfen wurden, nachdem die beiden diebischen Monster sie wie Trophäen über ihren Köpfen schwangen währen sie Sex miteinander hatten. Wie gerne würde ich einem von ihnen als Wiedergutmachung mit einem ordentlichen Tritt über die Kante des Kraters in den Abgrund befördern…

Der bellende Hund ist mir da schon viel lieber. Er beschützt uns vor den Affen. In Momenten wie diesen frage ich mich, wieso wir solche Dinge tun, die wir tun. Warum zum Teufel klettern wir auf einen von Affen bevölkerten aktiven Vulkan, der vor gerade einmal siebzehn Jahren ausgebrochen ist, während keine 40 Kilometer entfernt der nächste aktive Vulkan rumort – und keine drei Wochen nach unserem Besuch in einer phreatischen Erruption ausbricht (doch dazu ein anderes Mal mehr).

Der Abstieg vom Mount Batur

Nachdem alle Fotos geschossen sind und alle Aussichten genossen wurden gilt es nun den schwierigsten Teil des Hikes anzugehen: den Abstieg. Wer denkt dass der Aufstieg zur Spitze des Mount Batur das Anstrengende an der Sunrise Trekking Tour ist, den muss ich leider enttäuschen. Die wahren Strapazen fangen erst nach dem Sonnenaufgang an.

Zum einen ist man nämlich bereits erschöpft vom Aufstieg und zum anderen ist runter klettern immer schwieriger als hoch. Hoch kann man nämlich zur Not auch auf allen Vieren und dabei hat man stets im Blick wo man hin greifen und treten muss, wandert der Kopf doch vor. Herunter ist das schon schwerer. Ständig rutscht man aus und im Sekundentakt fallen die unerfahrenen Bergsteiger auf den Allerwertesten.

Meistens bleibt es beim Schrecken oder kleineren Schrammen doch gelegentlich fällt einer auch mal richtig hin. Tiefe, blutende Schürfwunden sind die Belohnung und dienen als lebenslanger Beweis für die absolvierte Tour. Während Annika sich zweimal hinsetzt und ein paar Schrammen davon trägt bleibt es bei mir lediglich bei Wanken und Wackeln. Meine Erfahrungen mit Slacklining, Snowboarding, Longboarding und Surfen machen sich bezahlt und helfen mir die Balance zu halten – Muskelreflexe heißt das Stichwort – okay, und eine riesige Portion Glück, denn ein paar Mal hätte ich auch fast Sand gefressen.

Ich frage Lu ob sich ab und an auch mal jemand richtig verletzt. Sie erzählt uns, dass gerade sehr wenige Touristen unterwegs sind und zu Hochzeiten bis zu 5 gebrochene Beine pro Tag drin sind. Warte, sagte sie gerade es sind wenig Leute unterwegs? Oh je, ich fand es ehrlich gesagt schon ein wenig voll, wie krass muss das dann erst sein, wenn der Agung nicht gerade eine Warnung für akute Ausbruchsgefahr hat?

Der Weg runter dauert gefühlt 10 Mal so lange wie hinauf und als wir endlich beim Half-Way-Point ankommen frage ich mich, ob meine Versicherung einen Sturz mit anschließendem Abtransport per Hubschrauber wohl in voller Höhe bezahlt, reiße mich dann aber zusammen und marschiere weiter. Habe ich eigentlich schon erwähnt, dass ich seit dem Vortag krank bin? Annika hatte die Grippe in der Woche zuvor und diese Woche bin ich dran. Bereits als wir los sind war mir schon etwas schwindelig und ich war mir nicht sicher ob ich es überhaupt nach oben schaffen würde. Egal, Zähne zusammenbeißen und weiter.

Am Half-Way-Point nehmen wir dieses Mal die Straße statt den holprigen schmalen Pfad. Das dauert zwar länger, ist aber dank Teer und Schotterweg wesentlich angenehmer als der Pfad durchs Geröll. Wir kommen an ein paar Aussichtspunkten vorbei und irgendwann wandern wir durch die Chili-Felder am Fuße des Berges. Wir bringen noch die letzten paar Hundert Meter hinter uns und kommen endlich am Auto an. Der Fahrer hat geduldig die ganze Zeit gewartet. Alle Gruppenmitglieder sind erleichtert, als wir uns in die Sitze des Autos sinken lassen.

Der Fahrer schaltete die Klimaanlage ein und legte für uns auf freundliche Nachfrage sogar noch einen Stop am Kraterrand ein, nachdem wir alle laut “Ahh” und “Ohh” riefen, als wir den Batur aus der Ferne sahen. Im Dunkeln auf dem Hinweg haben wir ihn gar nicht wahrgenommen doch auf dem Weg aus dem Krater hinaus sahen wir ihn und er ist wahnsinnig beeindruckend. Eine kurze Fotosession später diskutieren wir in der Gruppe ob wir und wirklich noch die Luwak-Kaffe-Probe antun sollen. Keiner hat Lust und so bitten wir den Fahrer uns direkt nach Hause zu fahren.

Fazit zum Mount Batur Sunrise Trek

Ich denke das Fazit dürfte klar sein. Die Mount Batur Sunrise Trekking Tour gehört für Bali-Urlauber zum Pflichtprogramm so wie die Tempel zu Bali gehören. Und für 22 € pro Person inklusive Fahrt, Frühstück und optionaler Luwak-Kaffee-Verkostung kann man echt nicht meckern. Von uns gibts auf jeden Fall eine klare Empfehlung dafür. Nun ärgern wir uns, dass wir es jetzt erst gemacht haben aber hey, besser spät als nie.

Wer es lieber etwas einsamer, noch ein bisschen höher und selbstgeführt mag, für den ist vielleicht der Hike auf den Gunung Abang, den Berg zwischen Batur und Agung etwas. Das ist momentan noch ein echter Geheimtipp, über den ich demnächst noch mal schreiben werde, wenn wir ihn bezwungen haben. Bei unserem Versuch letzten Samstag mussten wir aufgrund des schlechten Wetters leider kurz vor der Spitze aufgeben und umdrehen.

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