Follow Your Feet

Mit dem Chinakracher durch Südamerika (No. 2)

Manchmal frage ich mich, was eigentlich mit uns nicht stimmt. Auch diese Woche erschien in meinem inneren Dialog mehrmals diese Frage. Wobei, ich finde eigentlich trägt Annika dieses Mal die Hauptschuld, sofern man es denn überhaupt “Schuld” nennen kann, denn ich bin auch voller Freude. Täterin trifft es da vielleicht besser. Außerdem bin auch ich nicht ganz unschuldig, willigte ich doch schließlich gerne ein, als sie den Vorschlag dazu erbrachte. Worin aber lagen meine Selbstzweifel?

War vielleicht der Kaffee schuld, den wir, seit wir im März in Brasilien ankamen, in rauen Mengen in uns hinein schütten? Annika mochte Kaffee schließlich nie. Seit wir jedoch in der überhitzen Unterkunft in der Mitte der Favela eine Kaffeemaschine unser Eigen nennen konnten, hat sie ihre Vorliebe für Eiskaffee entdeckt und täglich einige Gläser des braunen Goldes zu sich genommen. Oder lag es etwa an dem fast sechsmonatigen Tereré-Konsum? Sollten die Kräuter uns letztendlich mehr geschadet als entspannt haben?

Es ist noch gar nicht so lange her, lass es vielleicht 8 oder 9 Monate sein, da war es Annika, die sich lautstark dafür einsetzte nach Südamerika zu reisen. Sie verkündete genug von Asien zu haben. Ich wollte ja gerne noch mal nach Bali doch sie überzeugte mich, dass es an der Zeit wäre neue Abenteuer auf einem anderen Kontinent zu suchen und zu erleben.

Mit dem Kauf des Motorrads stand für mich deshalb schon vor Monaten fest, dass wir mit diesem Weiterreisen würden. Ich wäre damit auch nach Peru gefahren – dachte ich damals – und posaunte es oft genug beim Essen oder zu jeder anderen Gelegenheit aus mir heraus. Annika zweifelte damals schon daran, denn wie sollte man mehrere tausend Kilometer auf der Kiste schaffen? Doch ich sagte nur, halb im Spaß und halb im Ernst: “Dann fahren wir halt mit dem Bus. Das Moped stellen wir in den Gang oder schnallen es aufs Dach. Das passt schon.”. Es war mehr Ernst dabei als Spaß, denn ich habe schon öfter gesehen, wie in Asien aber auch hier in Südamerika Motorräder und Roller in den Bussen transportiert wurden und ich hätte sicherlich einen Weg gefunden, dies zu realisieren.

Letzte Woche gingen die Vorbereitungen für unseren anstehenden Roadtrip dann in die Endphase. Ich hatte Annika so weit überzeugt, dass wir uns bei einer Hinterhof-Werkstatt einen Gepäckträger schweißen ließen um damit unsere Rucksäcke wie Satteltaschen transportieren zu können. Geplant war es nach Bonito in Brasilien zu fahren, dort eine Hand voll Touren zu unternehmen und anschließend zu Darrel und seiner Frau ins Chaco zu ziehen um bei ihnen einige Zeit zu wohnen.

Der Gepäckträger hat übrigens statt der veranschlagten zwei bis drei Stunden eine ganze Woche gebraucht und wir waren ungefähr acht mal in der Werkstatt. Später erfuhren wir von Laurence, dass für Paraguayer “zwei Stunden” oder “eine Woche” das Gleiche sind. Kommst du heute nicht, kommst du morgen. Da wird man im Bürgeramt schon mal für eine halbe Stunde weggeschickt, wenn man morgens um Acht auf der Matte steht, weil das schwere Candy Crush Level noch von der Beamtin beendet werden muss – ruf dir das mal ins Gedächtnis, wenn du das nächste Mal im Amt in der Schlange stehst. Tranquillo sag ich da nur.

Doch der Plan vom Roadtrip wurde über den Haufen geworfen und es kam anders. Ganz anders. Was Annika mir nämlich verschwieg war, dass sie so gar keine Lust mehr auf einen Roadtrip mit Motorrad hatte. Die Fahrten nach Ciudad del Este, ins Ybytyruzu Gebirge und zum Salto Suizo waren für sie schon so anstrengend, dass sie es für unmöglich hielt die hunderten von Kilometern zu überstehen. Wir wollten sogar bis nach Bolivien fahren. Im Nachhinein muss ich gestehen, dass ich froh bin, dass wir es nun doch nicht taten.

Und dann ist da noch die Arbeit. In den letzten Wochen blühen wir mehr und mehr auf wenn es um die Arbeit für uns selbst geht. Es macht einfach so viel Spaß an eigenen Projekten zu arbeiten und zu sehen, wie sich dadurch die Reisekasse aufbessert. Langsam aber stetig. Und wir sind noch jung, haben also noch viel Zeit die Welt zu erkunden. Die läuft uns nicht weg aber je mehr Gas wir jetzt geben, desto entspannter wird unser Leben auf lange Sicht gesehen werden.

Deswegen wollen wir statt herum zu reisen viel lieber einfach nur irgendwo ein Haus in dem wir in ruhe arbeiten können. Vielleicht ab und zu mal in einen Coworking Space um sich mit Gleichgesinnten auszutauschen – mehr wollen wir doch eigentlich zur Zeit gar nicht. Daher der Sinneswandel. Als Annika mich soweit hatte – dazu war nicht viel nötig, denn sie musste nur meinen Lieblingsort erwähnen und schon hatte sie mich – wurden auch schon die Tickets gebucht.

Am Morgen des 01.09.2017 hieß es also: Taschen packen. Dabei galt es alles auszusortieren, was nicht zu 100 % mit musste. Die “original CAT” Wanderschuhe für 15 € aus Ciudad del Este ? Zu schwer, zu wuchtig, weg damit. Der dicke Pulli? Kein Platz im Rucksack, weg damit. Das Auto-Ladegerät für die Drohne? Nun, kein Auto also nur unnötiger Ballast, weg damit. Nach und nach passte dann auch all unser Hab und Gut wieder in die Rucksäcke.

Während Annika das letzte Frühstück in unserem schnuckeligen Airbnb zubereitete, welches uns mittlerweile so sehr ans Herz gewachsen ist, fuhr ich noch schnell zum Baumarkt um ein Seil zu kaufen. Damit wollten wir unsere Rucksäcke am Gepäckträger festbinden. Auf dem Rückweg legte ich noch einen Zwischenstopp bei ALFF ein um ein letztes Mal eines der leckeren Desserts zu holen und Annika damit zu überraschen. Nachdem wir uns die Bäuche voll geschlagen hatten war es soweit. Der Moment der Wahrheit. Ich knotete mit vielen Windungen beide Taschen an den neuen Gepäckträger und dann ging die Reise los.

Bevor wir abfuhren, kamen uns Gisela und der kleine Bär Chester verabschieden. Der Rest der Familie ist in Spanien bei Aurelias Schwester. Nach einem letzten Mal knuddeln waren wir schon fast abgefahren, als Gisela noch mal angerannt kam und uns mitteilte, dass wir unsere Schuhe vergessen hatten. Wir lachten nur und erklärten ihr, dass dafür kein Platz mehr sei und sie sie gerne haben könne. Sie freute sich und winkte uns, während wir mit dem Chinakracher um die Ecke bogen.

Dann folgte eine 220 km lange, sehr unangenehme Fahrt. Der Chinakracher kann zwar laut Papieren 150 kg tragen doch dabei fährt er sich alles andere als Sicher. Durch die zusätzliche Last der Gepäckstücke spürt man jeden Hubbel doppelt so intensiv und das Vorderrad schlackerte irgendwie ein wenig bedrohlich hin und her. Um ehrlich zu sein war ich heil froh unfallfrei in Asunción angekommen zu sein und noch froher war ich, dass das die erste und einzige Fahrt mit Gepäck gewesen sein sollte. Früher oder später, so bin ich mir sicher, wäre das nicht mehr gut gegangen und gnade uns Gott, was dann gewesen wäre. Hätte das Vorderrad schlapp gemacht, dann wären wir sicher nicht so glimpflich wie bei unserer ersten Fahrt davon gekommen.

Am Hostel angekommen lernten wir Joel und seine Frau Laurence kennen. Die beiden Franzosen, die so um die 50 gewesen sein dürften, kamen vor ca. 3 Jahren nach Paraguay um dem Stress und den Regularien in ihrem Heimatland zu entfliehen. In Paraguay ist nun mal alles viel entspannter, die Leute sind ziemlich gelassen und irgendwie passt die Anekdote von Laurence, die sie uns zum Abschied erzählte, einfach perfekt zu dem oft übersehen Land im Zentrum von Südamerika: In Deutschland versucht stets jeder alles zu geben. Jeder will nur an die Spitze. Doch hier sind die Einheimischen so gelassen, dass du schon an der Spitze stehst, wenn du gerade mal die Hälfte von dem gibst, was du könntest.

Und so führen die beiden nun ein sorgenfreies Leben und genießen jede Minute davon. Joel steht um 7 Uhr in der Küche und bereitet das Frühstück vor, welches von 8 bis 11 serviert wird und im Preis – 15 € pro Nacht für das private Doppelzimmer, etwas weniger als die Hälfte für ein Bett im Dorm – mit inbegriffen ist. Es gibt französische Crêpes, Brötchen, selbstgemachte Guavenmarmelade und vieles mehr. Sehr angenehm.

Den restlichen Tag unterhalten sich die beiden mit ihren Gästen, planschen im Pool und Joel spiel leidenschaftlich gerne Schach übers Internet. Beide sprechen, ungleich der meisten Franzosen die wir auf unserer Reise bisher kennen lernten, sehr gut englisch. Und nicht nur das. Sie sprechen auch beide ein wenig Deutsch und, wenn auch nicht fließend, diverse andere Sprachen wie Russisch, Chinesisch und natürlich Spanisch und natürlich Französisch. Sie strotzen nur so vor Lebensfreude und Joel verströmt so viel gute Laune, dass man gar nicht anders kann als den halben Tag lang über seine Witze und Späßchen zu lachen.

Als wir ankamen erklärten wir, dass wir das Motorrad verkaufen wollten, da es zu schade wäre es einfach irgendwo bei der Abreise stehen zu lassen. Insgeheim hofften wir, dass der Chinakracher doch noch zu seinem Roadtrip kommen würde. Am liebsten hätte ich es einem Backpacker verkauft. In Anbetracht der Tatsache, wie billig die Kiste war, wäre mir der Preis sogar relativ egal gewesen.

Joel fragte, wann wir denn abreisen würden und als wir erklärten, dass unser Flieger bereits am nächsten Tag gehen sollten, musste er laut lachen. So schnell würde das in Paraguay nicht funktionieren. Keine zwei Stunden später saß ich jedoch mit ihm beim Anwalt und wir besiegelten per Handschlag und anschließend per Unterschrift den Kauf. Als ich ihm nämlich genauer erklärte, dass ich mit 200 Dollar mehr als zufrieden wäre, blitze ein Funkeln über seine Augen. “200 Dollar?”, fragte er mit seinem charmanten französischen Akzent und sein Schnurrbart zuckte verzückt.

Er watschelte hinüber zu Laurence in die Küche und Annika grinste mich bereits an und sagte: “Er holt sich jetzt die Erlaubnis seiner Frau und dann kauft er uns die Kiste ab.”, und so kam es dann auch. Wer hätte gedacht, dass es so einfach wäre. Wer weiß, vielleicht hätten wir noch ein wenig mehr dafür bekommen können aber es hätte genau so gut so enden können, dass wir das Bike am Flughafen zurück gelassen hätten. Ich bin jedenfalls nicht unglücklich über das Geschäft und Joel war mehr als zufrieden, hatte er nun ein zweites Motorrad. Eine etwas größere Honda die jedoch mehr fürs Gelände ist und nun die kleine Taiga, welche perfekt für Besorgungen in der Stadt geeignet ist, wenn Laurence zeitgleich mit dem Auto unterwegs war. Auch die Gepäckträger-Konstruktion begeisterte ihn, konnte er doch so auch gleich noch zwei kleine Kisten transportieren.

Den restlichen Nachmittag verbrachten wir im Aufenthaltsbereich. Zuerst dachte ich, wir wären die einzigen Gäste des Hostel doch als Joel und ich vom Anwalt zurück kamen, saßen einige neue Gesichter am Tisch und wie sich herausstellte, handelte es sich dabei um ein deutsches Paar. Jana und Giuliano waren für einen Kurzurlaub nach Paraguay gekommen – als Vorbereitung auf eine bevorstehende Befreiungsaktion um ein Leben jenseits des Hamsterrades zu führen.

Mit ihnen verbrachten wir den Abend. Wir saßen bis spät in die Nacht draußen und tauschen Geschichten und Erfahrungen aus. Zwischendurch erschien immer mal wieder Joel und Laurence und auch ein paar weitere Gäste gesellten sich zwischenzeitlich zu uns. Es tat richtig gut sich mal wieder gepflegt mit anderen Menschen zu unterhalten. Das kam in den letzten Monaten dann doch irgendwie in unserer selbstgewählten Isolation zu kurz.

Es wurde sehr viel gelacht und auch das ein oder andere Bier wurde dabei verzehrt – jedoch nicht von mir, da ich am Tag zuvor beim Zahnarzt war und Medikamente nehmen muss. Ich weiß nicht wann Annika das letzte Mal etwas getrunken hat doch heute vernichtete sie nicht nur zwei große Falschen Desperados sondern dazu noch fast die Hälfte von einem 1 L fassenden paraguayischen Gebräu. Die Rechnung dafür sollte sie später erhalten, als wir ins Bett gingen. “Ahhh Schatz, alles dreht sich wenn ich die Augen zu mache.”, hörte ich sie wehleidig klagen. Doch sie schlief rasch ein und das fiepen verstummte.

Ich schaute mir noch ein paar Videos auf YouTube an und muss dabei eingeschlafen sein, denn irgendwann wachte ich auf, klappte den Laptop zu und fiel genau so schnell wieder in den Schlaf, wie ich aus selbigem durch das helle Leuchten vor meinen Augen herausgerissen wurde. Eine gefühlte Sekunde später schreckte ich aus einem sehr seltsamen Traum über das Hostel auf. Ich wusste nicht warum und so drehte ich mich herum und schlief sofort wieder ein. Es musste wohl ein Alptraum gewesen sein.

Doch kurz darauf riss mich erneut etwas aus dem Schlaf. Warum schlief ich denn nur so unruhig? Gut, es war noch immer ziemlich warm aber bei weitem nicht so heiß, dass ich deswegen keinen Schlaf finden könnte. Doch dann wurde mir klar, was mir – und allen anderen Insassen des Hostels den Schlaf raubte: *DING-DONG*. Es war die Türklingel. Jemand musste sie jetzt mindestens zum dritten Mal betätigt haben. Ihr Schrei hallte über den leeren Aufenthaltsbereich hinüber zu unserem Zimmer. Die dünne Wand schien ihr schrilles Klingeln zu verstärken statt zu dämpfen.

Dann wieder: *DING-DONG* *DING-DONG*. Der nächtliche Störenfried schien nervös zu werden. Es folgten mehre aufeinander folgende zweifache Klingelschläge, dann eine Minute Pause, dann wieder zwei Mal klingeln. Jedes Glockenläuten machte mich wacher und wacher. Ich konnte doch unmöglich der Einzige sein, der davon wach geworden war, wann macht denn endlich jemand diese verdammte Tür auf? Oder war es gar eine Bande Kinder oder ein fieser Konkurrent?

Etwa fünfzehn Minuten ging das Spiel so bis ich so genervt war, dass ich aufstand und wütend zur Tür stürmte – bereit jeden ungebetenen Gast in die Flucht zu schlagen. Joel hatte mir am Abend noch stolz seine Machete gezeigt und ich war wild entschlossen sie einzusetzen, sofern notwendig – sie lag griffbereit im Foyer auf einem Sims. Ich lugte durch die grünliche Scheibe der Tür und erblickte zwei junge Männer. Auf englisch fragte ich, was ihnen einfällt hier nachts so einen Radau zu machen. Sie verstanden mich zwar nicht, hielten jedoch eine ausgedruckte Buchungsbestätigung von Booking.com gegen das Fenster in der Tür.

Die hatte ich selber schon so oft in der Hand, dass ich sie in jeder Sprache der Welt erkenne. Dann sah ich die vier Koffer mit denen sie angereist waren und mir war klar, dass es Gäste waren, deren Flug Verspätung gehabt haben musste. Ich schloss die Tür auf, der Schlüssel steckte zum Glück, und versuchte erst einmal herauszufinden welche Sprache ich am Übersetzer meines Handys einstellen musste. “Where are you from? Do you speak english? Alleman? Espanol?” – “Bla bla Brasil bla bla” – “Ahh Portugiesisch also. Warte, ich werf’ schnell den Translator an. Ähh Traductor. *AufHandyZeig*”.

Ich erklärte den beiden, dass ich selber nur ein Gast sei und ich keine Ahnung habe warum ihnen niemand vom Personal die Tür öffnete (vielleicht doch ein bisschen zu viel Tranquillo hier in Asunción?). Direkt neben der Rezeption war ein leerer 4er Dorm und ich schlug vor, sie könnten sich ja dort nieder lassen. Ich war schon fast wieder in unserem Zimmer und in Gedanken im Bett als ich den beiden Herrschaften noch zeigen musste, wo sich Toiletten und Duschen befanden.

Dann konnte ich mich endlich wieder ins Bett fallen lassen und schlafen – dachte ich, denn nach ein paar Minuten fing ein paar Straßen weiter eine Autoalarmanlage an fröhlich vor sich hin zu hupen. Doch die Müdigkeit siegte letztendlich und ich fiel in einen kurzen Schlaf. Nachdem die Rabauken das gesamte Hostel um halb 2 aus dem Schlaf rissen, wurden Annika und ich um halb 6 von Jana und Giuliano geweckt, welche es in ihrem Zimmer nicht mehr aushielten da sich ihre beiden Mitschläfer weigerten Sauerstoff ins Zimmer zu lassen – Angst vor Mozzis. Sie ließen sich in der Hängematte nieder, welche draußen vor unserem Zimmer stand.

Sie redeten ein bisschen bevor sie in der Hängematte einschliefen nur um pünktlich um 7 von Joel zu den Frühstücksvorbereitungen geweckt zu werden. Da er den Mixer für den Crêpe-Teig anwarf, war es mit Schlafen endgültig vorbei und so stand auch ich auf und gesellte mich nach der Morgentoilette dazu. Den Vor- und Mittag verbrachten wir erneut im Aufenthaltsbereich.

Den halben Morgen döste Annika in der Hängematte vor sich hin. Dann arbeiteten wir etwas und durften einigen interessierten Anwesenden erklären, wie genau wir mit selbstgeschriebener Software, WordPress Layouts, YouTube Videos, eBooks, Grafikdesign und Affiliate Programmen Geld verdienen. Zum Abschluss wollte ich Asunción noch mal von oben filmen. Der Wind war jedoch stärker als gedacht und als auf einmal die Verbindung zur Drohne abriss, wurde mir kurz richtig schlecht.

Scheiße! Sollte das das Ende der ersten Drohne gewesen sein? Panisch hoffte ich darauf wieder eine Verbindung zu bekommen und lief im Hof umher. Und tatsächlich, die Verbindung baute sich wieder auf und ich bekam auch wieder ein Bild, nur um den nächsten Schreck-Moment zu erleben. Die Kamera zeigte eine Antenne auf dem Dach eines Hochhauses und die Mavic bewegte sich piepend immer näher darauf zu. Wie wild hämmerte ich auf den Pausieren-Button um die automatische Rückkehr zu deaktivieren.

Dann steuerte ich mit Blick auf die Karte die Drohne so gut es ging zurück zum Ausgangspunkt. Nun fing das Piepen an, dass das Ende des sich schnell leerenden Akku ankündigte. Ich drückte den Steuerhebel so weit es ging nach vorne doch die Drohne bewegte sich keinen Millimeter in der Luft. Der Wind verhinderte jegliches vorankommen. Schweiß stand mir auf der Stirn. Ich ließ sie einige Meter sinken und glücklicherweise war es dort weniger windig. Langsam kam das Summen näher und dann hatten wir wieder Sichtkontakt. Zielstrebig steuerte ich das Fluggerät in die Mitte des Hofes und zu meiner Erleichterung landete sie kurz darauf sicher zu meinen Füßen.

Das war definitiv das erste und letzte Mal, dass ich eine Drohne in der Stadt habe fliegen lassen. Zumindest wenn ich in einem Hinterhof einer Häuserschlucht stehe. Da ist das Signal der Fernbedienung dann doch zu schwach. Nach einem Akku-Wechsel ließ ich die Mavic erneut steigen und machte für Joel noch ein paar Bilder vom Hostel. Danach verschwand sie wieder in ihrer Tasche.

Dann lud Jana uns ein gemeinsam zu einem See in der Nähe zu fahren und bot uns an uns anschließend zum Flughafen zu bringen. Es folgte eine der bisher verrücktesten Fahrten durch Paraguay. Man muss dazu sagen, dass hier überall Verkehrsbumper auf den Straße sind. Wirklich überall und die sind nicht wie manchmal in Deutschland nur leichte Erhebungen. Mehr als Schrittgeschwindigkeit ist da wirklich nicht drin. Zusammen mit dem Verkehr, den vielen Einbahnstraßen und einem Umweg durch gepflasterte Nebenstraßen mit Schlaglöchern, die jede Baugrube neidisch werden lassen, war es kaum verwunderlich, dass wir für die gerade einmal rund 40 km über 1,5 Stunden brauchten.

Am See genossen wir zusammen mit unseren neuen Freunden die letzten Stunden, die uns in Paraguay bleiben sollten bevor es anschließend zum Flughafen ging. Dort sitze ich nun, während ich diese Zeilen schreibe, und Annika und ich philosophieren darüber, ob es nun eine gute Entscheidung war abzureisen oder ob wir einen Fehler machen. Klar, wir würden beide unheimlich gerne mehr von Südamerika sehen aber wir wollen es richtig erleben. Wir wollen alles sehen und wir wollen es besser machen als es uns jetzt möglich gewesen wäre. Wir brauchen einfach noch ein bisschen mehr Zeit. Mehr Zeit um die Sprache zu lernen und vor allem um genügen Geld anzuhäufen um davon ein Auto kaufen zu können.

Denn wir sind uns beide einig: wenn wir Südamerika abklappern, dann komplett und im eigenen Fahrzeug. Ich habe da auch schon ein Traum-Expeditionsmobil vor Augen, doch das kostet mindestens so um die 120.000 bis 170.000 Euro und dann muss natürlich noch etwas Puffer sein. Was wäre denn, wenn mal etwas passiert? Ein Motorschaden zum Beispiel.

Ich fand Paraguay klasse und ich finde es zwar ein kleines bisschen traurig, dass der Machu Picchu noch etwas warten muss, dass ich noch nicht im Torres del Paine gewandert bin, dass ich noch keine der großen Salzwüsten gesehen habe und noch nicht so viele andere Dinge meiner Bucketlist abgehakt habe, doch ich weiß auch, dass ich nicht das letzte Mal einen Fuß auf diesen Kontinent gesetzt habe. Merk dir meine Worte: Ich komme wieder. Und bis dahin heißt es für uns: follow your feet. In diesem Fall halt in den Flieger, der uns ins nächste Land bringt.

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